published 14. Februar 2026
(unten in einfachem Deutsch / below in simple German)
Seit über 40 Jahren besteht die Sprachschule Babylonia e.V. in der Cuvrystraße 23a in Berlin-Kreuzberg. Wir sind ein selbstverwalteter Betrieb und bieten unter anderem Integrationskurse an, in denen Migrant:innen die deutsche Sprache erlernen können. Doch die Teilnahme an einem Deutschkurs bei uns ist mehr als das Erlernen einer Sprache: Freundschaften entstehen und vor allem erleichtert der Kurs die Ankunft in einer neuen Umgebung. Unsere Schule ist so für viele Migrant:innen zu einem zentralen Anlaufpunkt geworden.
Die meisten Lernenden bei Babylonia werden staatlich finanziell unterstützt. Diese Förderung des Spracherwerbs hat mittlerweile eine lange Geschichte. Ab den 1980er Jahren setzten Menschen, die aus den sogenannten Anwerbeländern gekommen waren, um in Deutschland zu arbeiten, das Recht auf Deutschlernen durch. Deutschkurse wurden erstmals staatlich finanziert. Im Jahr 2005 gab es dann eine einschneidende Änderung: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unterstützte nun Personen, die eine längere Lebensperspektive in Deutschland haben, bei ihrem Spracherwerb. Die Hälfte der Kosten des etwa einjährigen Integrationskurses übernahm der Staat, die andere Hälfte die Deutschlernenden selbst.
Nach über 20 Jahren hat das BAMF dieses Vorgehen jetzt beendet. Am 9. Februar 2026 informierte es die Sprachkursträger, dass „Asylbewerber, Geduldete (§ 60a Abs. 2 S. 3 AufenthG), Menschen aus der Ukraine sowie Unionsbürger nicht mehr im Rahmen verfügbarer Kursplätze zur Teilnahme am Integrationskurs zugelassen werden.“
In der Praxis bedeutet dies, dass allein dieses Jahr rund 130.000 Menschen, die vorher ein Anrecht auf eine Finanzierung gehabt hätten, ihren Deutschkurs komplett selbst bezahlen müssen. Für die Betroffenen wird dies oft zur Folge haben, dass sie auf das Deutschlernen verzichten, da sie sich die Kosten eines Kurses nicht leisten können. Das von Migrant:innen in den 1980er Jahren durchgesetzte Recht auf Deutschlernen wird auf diese Weise ausgehöhlt. Dafür genügt dem Bundesamt offensichtlich eine knappe Mitteilung an die jeweiligen Schulen inklusive Verweis auf nötige Kürzungen.
Wir als kleine Sprachschule sind jetzt mit der wirtschaftlichen Unsicherheit konfrontiert. Eine Vorlaufzeit, sodass wir uns auf die einschneidenden Veränderungen hätten einstellen können, wurde nicht gegeben. Und auch die Antragsteller:innen, die mittlerweile bis zu drei Monaten auf ihre Zulassung gewartet hatten und schon lange mit ihrem Deutschkurs hätten beginnen wollen, wurden vor den Kopf gestoßen.
Während Migrant:innen also unterstellt wird, sie wollten kein Deutsch lernen und sich nicht integrieren, schränkt die Bundesregierung die Deutschkurse massiv ein und setzt die Kursträger finanziell unter Druck. Dabei sind wir es, die Kursteilnehmer:innen, die Lehrkräfte, die Kursorganisation, die Berater:innen, die täglich unter prekären Bedingungen gemeinsam an einem Ort des Lernens, des Austausches und des solidarischen Miteinanders arbeiten. Diesen Ort wollen wir nicht verlieren.
Wir rufen euch auf, euch über die weitere Entwicklung zu informieren und uns bei Protestaktionen zu unterstützen. Mehr Informationen findet ihr auf www.babylonia.de und www.instagram.com/babylonia_sprachschule.
Babylonia e. V.
Kontakt:
+49 (0)30 611 60 89
info [at] babylonia [dot] de