How To Deutschkurs für Geflüchtete

Ein Schulungsangebot für Ehrenamtliche
von DaZ-/DaF-Lehrenden (Babylonia e. V.)

Wir haben ein Schulungskonzept entwickelt, mit dem wir Ehrenamtlichen und Multiplikator_innen, die Deutschkurse für Geflüchtete geben (wollen), einen theoretischen Rahmen, vor allem jedoch eine praktische Orientierungshilfe bieten möchten.
Wir, das sind Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache-Dozent_innen mit langjährigen Erfahrungen sowohl in Integrationskursen des BAMF (A1.1 bis B1.2), B2- und C-Klassen, themen- und berufsspezifischem Deutschunterricht, als auch im Bereich ehrenamtlicher Deutschlernangebote für Geflüchtete. Getroffen haben wir uns in der selbstverwalteten Sprachschule „Babylonia e. V.“ und dort gemeinsame Lern- und Lehrerfahrungen gemacht. Das Prinzip der Schule, gemeinsam und voneinander lernen zu wollen, geht auch in unsere Seminare ein: Wir kennen die deutsche Sprache und haben das Knowhow ihrer Vermittlung – darüber hinaus gibt es viel voneinander zu erfahren. Und das Miteinander-Lernen muss Spaß machen! Babylonia e. V. fungiert hier als Pool zur Vermittlung von Schulungsdozent_innen.
Unsere Schulung hat Workshopcharakter: Wir werden die vorgeschlagenen Inhalte gemeinsam erarbeiten und Unterrichtsmethoden selbst kennen lernen und ausprobieren, so dass die Teilnehmer_innen mit konkret Anwendbarem nach Hause gehen.
Per Fragebogen ermitteln wir vor dem Seminar etwaige Lehrerfahrungen der Aktiven vor Ort, ihre Wünsche und Bedürfnisse bezüglich der Schulung sowie den organisatorischen Rahmen der geplanten oder bereits laufenden Deutschkurse. So können wir das Programm gezielt planen und das nachfolgend vorgestellte Schulungskonzept entsprechend anpassen.

Schulungskonzept

1. Lernatmosphäre und Bedürfnisorientierung im Deutschkurs

Ein Deutschkurs für Geflüchtete ist mehr als ein bloßes Sprachlernangebot – er ist auch ein Raum für Begegnung, für das Entdecken einer neuen Gesellschaft und Lebensrealität. Zu Beginn der Schulung beschäftigen uns deshalb folgende Fragen: In welcher Situation befinden sich (neu angekommene) Geflüchtete? Was motiviert sie, an einem Deutschkurs teilzunehmen? Wie kann ein Deutschlernangebot für Menschen mit sehr verschiedenen (Bildungs-) Erfahrungen geschaffen werden?

• Sensibilisierung für
→ Lebenssituation Geflüchteter hierzulande
→ traumatisierende Erfahrungen Geflüchteter
→ Unterschiede kultureller Codes

• Teilnahmemotivation
→ Deutsch lernen
→ Wunsch nach sozialer Einbindung und Abwechslung im Alltag
→ Suche nach Orientierungshilfe für den Alltag

• Bildungsheterogenität
→ unterschiedliche Bildungserfahrungen und –traditionen
→ z. T. keine (lateinische) Alphabetisierung
→ z. T. keine gemeinsame (Meta-) Sprache von TN und Kursleitung (KL)

Gemeinsam wollen wir Ideen entwickeln, wie ein Deutschkurs gestaltet werden kann, der den Bedürfnissen seiner Teilnehmenden möglichst gerecht wird.

2. Wie lernen Menschen am besten?

Lernangebote sollten abwechslungsreich sein und die verschiedenen Sinne aktivieren. Menschen lernen am besten, wenn sie selbst etwas ausprobieren und praktisch in ihrem Alltag anwenden können.
Wir beschäftigen uns anhand konkreter Übungen damit, wie wir im Deutschkurs

• unterschiedliche ‚Lerntypen’ über verschiedene Sinne und Aktivitäten ansprechen,
• über Inhalte und Methoden einen Alltags- und Lebensweltbezug herstellen,
• die Teilnehmenden zum selbstständigen Handeln motivieren können.

3. Wie plane ich Unterricht?

Egal, ob erfahrene Lehrperson oder nicht: Unterricht braucht Vorbereitung. Bevor wir exemplarische Kursstunden selbst entwerfen, lernen wir die Faktoren kennen, die bei der Unterrichtsplanung zu berücksichtigen sind:

4. Exemplarische Kursstunden entwerfen

Sprachunterricht knüpft an das Vorwissen der Lernenden an, um sie zum selbstständigen Sprachhandeln zu führen. Wir lernen die Phasen von Sprachunterricht kennen:

1. Aktivierung von Vorwissen
2. Präsentation und
3. Erarbeitung neuer Strukturen
4. Üben und
5. Anwenden der neuen Strukturen
6. Transfer

Auf der Grundlage dieses Modells entwickeln wir in Kleingruppen aus verschiedenen zur Verfügung gestellten Materialien abwechslungsreiche, praxisnahe und anwendungsbezogene Unterrichtseinheiten, die im eigenen Deutschkurs direkt umgesetzt werden können.

5. Binnendifferenzierung und Fehlerkorrektur

Lernen funktioniert am besten in einer Atmosphäre, in der sich alle Beteiligten wohl fühlen und erleben, dass ihren Bedürfnissen entsprochen wird. Wie kann das gelingen?
In einem Kurs mit sehr heterogener Zusammensetzung können Methoden der Binnendifferenzierung, die verschiedene Lernniveaus oder Interessen ansprechen, dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Wir lernen solche Methoden kennen und integrieren sie in die zuvor entwickelten Unterrichtseinheiten.
Außerdem beschäftigen wir uns mit den Do’s & Don’ts der Fehlerkorrektur.

6. Fragen und Feedback

Am Schluss der Schulung gibt es die Möglichkeit, bisher ungeklärte Fragen zu besprechen und ein Feedback zu geben.

Den Teilnehmenden der Schulung werden Handouts zu den behandelten Themen sowie eine Literatur- und Link-Liste zur Verfügung gestellt.

Kontakt
Die Schulung kostet Geld. Wenn sie in Brandenburg stattfindet, können die Kosten über eine Kooperation mit FaZIT übernommen werden; bei der Beantragung unterstützen wir gern. Interesse? Dann meldet euch hier: how-to-deutschkurs [at] babylonia [dot] de